Ich bin dumm und beherrsche die deutsche Sprache nicht

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Rotzbengel Rüdiger
Löblicher Internatsknabe
Beiträge: 1844
Registriert: Sa 15. Jun 2013, 18:10

Ich bin dumm und beherrsche die deutsche Sprache nicht

Beitrag von Rotzbengel Rüdiger »

Werte Gemeinde, liebe Leserechtschreibsorgenkinder,

Ich bin es wirklich leid, tagein, tagaus voll Vorfreude die heiligen Hallen dieses christlichen Plauderbrettes zu durchforsten, der Hoffnung erlegen, an den Erlebnissen und Erfahrungen anderer Christen teilzuhaben, nur um in einer Häufigkeit, die jeden Dämonen vor Schauder den Schwefel aus der Haus transpirieren lässt, Beiträge von Volldeppen zu lesen, die nicht einmal fundamentalste Grundlagen deutscher Ausdruckskraft in Ihrem Schädel verankert wissen.
Grund genug, einen kleinen Einführungsleitfaden für die grundlegendsten (!), ja wahrlich einfachsten Regeln des geschriebenen Wortes aufzustellen, HimmelHERRgott.
Bitte stellen Sie Ihre Fragen zur Thematik, sofern vorhanden, in verständlichen Lettern! Ich werde mich bemühen, die Ausführungen ausgesprochen simpel zu verpacken, damit auch jeder Straßennächtiger die Semantik dahinter erblickt. Der HERR sei Ihnen gnädig.


I. Der Einsatz von Minuskeln und Manuskeln
Grundsätzlich gilt: Substantive werden großgeschrieben. Woran erkenne Ich ein Substantiv? Setzen Sie einen Artikel davor, und wenn es sich richtig anfühlt, dann haben Sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Substantiv zu tun. Das Wort "Kirche" ist ein Substantiv, da ihm ein Artikel (die, unserer, meine, deine, Ihre, jene, diese) vorangestellt werden kann. Ob es sich um bestimmte, unbestimmte oder Possesivartikel handelt, ist nicht von Belang. Substantivierte Verben und Adjektive, beziehungsweise Adverbien, werden ebenfalls großgeschrieben. Aus "Ich gehe freudig zur Kirche" wird "Das freudige Gehen zur Kirche", oder "Ich gehe voll (die) Freude zur Kirche". Wenn sich kein Artikel vor ein Wort setzen lässt, dann ist es vermutlich auch kein Substantiv und wird kleingeschrieben. Das Wort „gebetet“ lässt sich nicht mit einem Artikel verbinden, denn „Das gebetet“ klingt ebenso bescheuert, wie es sich anhört. An dieser Stelle sei auf die Konjugation, die Flexion von Verben hingewiesen, doch lediglich mit der Anmerkung, daß der Umgang mit knorken Affixen, was meiner Beobachtung entspricht, keinerlei bemerkenswerte Probleme auf dem Brett verursacht.

II. Komposita
Hier zeigt sich der unselige Einfluss des Angelsächsischen. Auf meiner pädagogischen Lehranstalt gilt: Wer dumm ist, bedienst sich des Bindestriches. Leerzeichen sind bei uns gar kein Thema. Erinnern Sie sich daran, was Sie im Punkt I (eins) über Substantive gelernt haben. Nun nehmen Sie zwei Wörter jener Gattung, stellen sie nebeneinander, und machen ein Wort daraus. Aus "Kirche" und "Dach" wird „Kirchendach“. Nicht etwa „Kirchen-Dach“, „Kirchen-dach“, und schon gar nicht „Kirchen Dach“ oder „kirchen dach“. Diese Dinge lernen Sie in der ersten Klasse, also tun Sie nicht so, als hätten Sie all Ihr Wissen im Alkoholrausch gegen Kopfschmerzen umgetauscht. Und denken Sie an das Fugen-Es in Genetivkonstrukten, so schwer ist es nicht.

III. Interpunktion
An dieser Stelle möchte Ich Ihnen eben jenen Beitrag präsentieren, der mich heranließ, diesen kleinen Einführungsfaden niederzutippen. Werfen Sie einen Blick hinauf:
DerLeibChristi hat geschrieben: Liebe Gemeinde
An meiner neuer Schule haben wir nun Biologie Unterricht. Die Lehre des Verbotenen. Unser letztes Thema war, die Lehre des Lebens. Ich weigerte mich, dieses Teufelswerk zu lernen. Doch meine satanistischen Lehrer sagten zu mir, ich soll mich nicht so anstellen. Dies war ein schock. Ich habe erwartet das der Teufel sie steuert. Aber das es so schlimm ist, das die Lehrpersonen unschuldige Christen ohne Grund angreifen ging mir zu weit.
Zusammenfassung = Ich werde gezwungen Teufelswerk zu verrichten ?
Das Komma wird verwendet, wenn:

- eine Aufzählung erfolgt: "Zum Gottesdienst nehme ich mein Gesangsbuch, meinen Christopherus, meine Spende für die Kollekte, meinen Rosenkranz und mein Bildchen des Pontifex Maximus mit."

- Nebensätze vom Hauptsatz getrennt werden: "Ich komme heute Abend pünktlich zum Gottesdienst, darauf gebe Ich Ihnen mein Wort."

- Relativsätze eingeschoben werden, die Subjekt, Objekt oder Prädikat näher beschreiben: "Ich freue mich auf den Gottesdienst, der in der Sankt-Augustin-Kirche stattfindet."

Mit diesen Regeln sollten Sie in der Lage sein, einfachste Sätze zu bilden. Sollten Sie zu jenen Lumpen gehören, die von redlichen Gemeindemitgliedern auf diesen Faden verwiesen wurden, so fordere Ich Sie auf, den zitierten Beitrag des Mitgliedes DerLeibChristi zu korrigieren, ja sogleich hier zu briefen, damit man Ihnen eine schnafte Zensur erteilen kann.

Auf Wunsch und Nachfrage wird tiefer in die heiligen Tiefen der Grammatik eingetaucht. Möge der HERR Ihnen Ihre Fehler vergeben.

Frenetisch aufgebraucht,
Rotzbengel Rüdiger
Tu das nicht, laß das sein, faß das nicht an. - so spricht der Vater, denn Zensur ist gut für Knabbub und Göre.

Im Übrigen bin Ich der Auffassung, daß das Internetz abgeschaltet gehört.

Wer Sprudelwasser trinkt, hasst Jesus.
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Benedict XVII
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Re: Ich bin dumm und beherrsche die deutsche Sprache nicht

Beitrag von Benedict XVII »

Werter Rotzbengel Rüdiger,

vielen Dank für diese kurze Einführung in die einfachsten Regeln der Rechtschreibung.
Ich habe mir erlaubt, eben jenen Faden als "wichtig" zu markieren.

Redlichst

Benedict XVII
"Tatsächlich haben Frauen noch nie etwas gedacht oder gemacht, womit zu beschäftigen sich lohnt." (Jan Hein Donner, niederländischer Schachmeister)
"Es ist dem Menschen gut, daß er kein Weib berühre." (1.Korinther 7:1)
Mary
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Registriert: Sa 22. Mai 2021, 10:13

Re: Ich bin dumm und beherrsche die deutsche Sprache nicht

Beitrag von Mary »

Sehr geehrter Herr Rüdiger,

ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. - Da hat uns jemand aber echt gründlich aufs Korn genommen...

Beitrag korrigiert von: Walter Gruber
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Teresa Schicklein
Treuer Besucher
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Registriert: Do 30. Aug 2018, 15:05

Re: Ich bin dumm und beherrsche die deutsche Sprache nicht

Beitrag von Teresa Schicklein »

Werter Bub Rüdiger!

Wie schön, daß Sie diese wichtigen Regeln so leicht verständlich zusammengefaßt haben. Da das Deutsche nicht meine Muttersprache ist, ist Ihr Beitrag auch für mich sehr nützlich.

Es betet für Sie
T. Schicklein
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