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Töfte Apfelkuchen zu verkaufen

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Rotzbengel Rüdiger
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Töfte Apfelkuchen zu verkaufen

Beitragvon Rotzbengel Rüdiger » Sa 12. Aug 2017, 13:42

Werte Gemeinde,

zu Beginn ein Gedicht:

Ein altes Weib, der viele Enkel
die Stube mit gar Freud erfüllten
die hielt nen Topf zitternd am Henkel
derweil die Kinder lustig brüllten

„Gemach, gemacht, ihr vielen Blagen“
die Greisin rief, die alte, schwache
„Euch spielen sehn muss ich ertragen
derweil allein ich all die Arbeit mache“

Der Alten großer Enkelschar
sich reuevoll zusammenfindet
da wurde ihnen just gewahr
sie ist fast tot und fast erblindet

Sie gab den Topf aus Porzellan
mit Äpfeln sauer grün gefüllt
hinüber an den Kinderschwarm
der ruhig dasaß, der nicht mehr brüllt

„Ihr tumben, jungen Kinderlein
Großmutter tut so viel für euch
nehmt Äpfel und stecht Messer rein
schält, vierteilt, entkernt das Zeuch“

Die Alte wachte hütend achtsam
derweil sie harsch mit Schlägen droht
die Kinder schälten stets gehorsam
und das Weib, das war bald Tod

- „Über die apfelschälende Großmutter“, Dietmar Dueddelmeyer, 1738


Ei, ei, ei, hier spricht der Knabe Rüdiger, Rotzbengel meines Namens, und freudiger Verfechter von knorkem Apfelkuchen. Denn wie einst der dichtende Dichter Dietmar verlauten ließ, mag kein anderes Gebäck der Perfektion und unübertroffenen geschmacklichen Glanzheit eines korrekt zubereiteten Apfelkuchens nahekommen.

Da der HERRgott den alten Apfelhüter des keuchen Internats vor kurzem zu sich rief, entschied die Internatsleitung nach mehren drängelnden Briefen meinerseits, den dicken Apfelhain am Ziegengatter meiner Obhut zu überlassen.
Mit Liedern und Gebeten auf den Lippen, sammelte ich mir die tüchtigsten Knaben zusammen, und marschierte jauchzend und auf meiner selbstgemachten Grastrompete trompetend zum Haine hin, Hurra.
Denn man sagte mir, dass die Früchte eigener Arbeit stets am sauersten schmecken. So ließ ich die tüchtigen Knaben tüchtig schuften. Erde düngen, Äste schneiden, Äpfel ernten, derweil ich mit meiner Armbrust hütend in meinem Ausguck stand, und apfelstehlendes Krähengetier mit Eisen durchbohrte.
Gebacken im dunklen Küchenkeller, darf ich mich nun stolzer Produzent von vierhunderteinundzwanzig Apfelkuchen nennen. Hurra, ganze drei Wochen knetet und schälte ich in Küchenlumpen vor mich hin, ging da nur zum Beten und zum Schlafen aus der Küche raus.

Bild
Töfter Apfelkuchen

Meine Herren, da es dem Internat wahrlich nicht an Großzügigkeit mangelt, wurde von oberster Stelle aus entschieden, die töften Apfelkuchen für einen guten Zweck zu verkaufen, ja, ja, ja.
Ein Kuchengebäck können Sie für 12 Euronen ersteigern.
Man wird es auf einen Karren laden, der innerhalb von zwei Wochen (innerhalb Deutschlands) direkt an Ihre Türe geliefert wird.
Zahlungen sind bei Übergabe zu entrichten.
Wenden Sie sich bei Interesse bitte per Privatnachricht an mich.

Puderzucker verstreuend,
Apfelbaron Rüdiger
Folgende Benutzer sprechen Rotzbengel Rüdiger ein keusches Amen! für den Beitrag aus: (Insgesamt 5):
Dr. Waldemar DrechslerWalter Gruber seniorFranz-Joseph von SchnabelMartin BergerH Dettmann
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Re: Töfte Apfelkuchen zu verkaufen

Beitragvon Marius Koepenik » Sa 12. Aug 2017, 15:03

Werter Herr Rüdiger,
Hm, lecker Pirschsmitter Pferdeäpfel, das klingt ja vorzüglich!

Marius Köpenik

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Martin Berger
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Re: Töfte Apfelkuchen zu verkaufen

Beitragvon Martin Berger » Sa 12. Aug 2017, 15:33

Rotzbengel Rüdiger hat geschrieben:Man wird es auf einen Karren laden, der innerhalb von zwei Wochen (innerhalb Deutschlands) direkt an Ihre Türe geliefert wird.

Werter Herr Rotzbengel,

liefern Sie auch nach Österreich-Ungarn?

Rotzbengel Rüdiger hat geschrieben:Zahlungen sind bei Übergabe zu entrichten.

Ihre Geschäftstüchtigkeit in allen Ehren, aber in Ihrem Interesse hoffe ich, daß Sie sich die Taschen nicht mit dem Geld redlicher Administranzmitglieder vollstopfen werden.

Für den Fall der Fälle eine Bestellung tätigend,
Martin Berger
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Rotzbengel Rüdiger
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Re: Töfte Apfelkuchen zu verkaufen

Beitragvon Rotzbengel Rüdiger » Sa 12. Aug 2017, 15:57

Werter Herr Berger,

Lieferungen außer Landes werden mit einem Aufpreis von drei Euronen und längeren Lieferzeiten vollzogen.
Wir gaben bereits eine Lieferung ins ferne Chinesenland auf. Jene ist seit einer Woche unterwegs. Laut meiner Berechnung müsste sie etwa Mitte Oktober ihr Ziel erreichen.
Die Lieferung nach Österreich-Ungarn sollte nicht viel länger dauern als Lieferungen innerhalb Deutschlands.
Nach Übersee liefern wir nicht, nein. Töfte Amerikanerchristen dürfen sich also nicht an meinen Apfelkuchen erfreuen.

Die redlichen Einnahmen gehen sogleich an eine wohltätige Organisation, welche die Bereitstellung und Herrichtung von kräftigen Apfelbäumen in Großstädten fördert.
Seltsamerweise kamen bisher bloß zwei Drittel der eingenommenen Münzen beim Schatzmeister der Organisation an, wie man mir mitteilte.
Sapperlot, werden im Internat etwa Gelder veruntreut?

Der Sache nachgehend,
Apfelbaron und Detektiv Rüdiger
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Re: Töfte Apfelkuchen zu verkaufen

Beitragvon Martin Berger » Sa 12. Aug 2017, 16:24

Werter Herr Rotzbengel,

es böten sich wohl mehrere Szenarien an, wieso der errechnete Geldbetrag nicht bei Ihnen ankam.

1. Sie haben sich verrechnet
Zugegeben: Diese Möglichkeit ist eher auszuschließen, wird doch am Internat zu Pirschsmitte das Einmaleins noch mit dem Rohrstock gelehrt. Davon ausgehend, daß Sie nicht zu den Bildungsverlierern gehören, die ihren Namen und ihre Gefühle tanzen können, kann man diesen Punkt abhaken.

2. Ihre Kunden sind zahlfaule Gauner
Wesentlich wahrscheinlicher als Punkt 1: Sie liefern auch an arbeitsscheue Hartz-4-Empfänger, die zwar Bestellungen aufgeben, diese dann aber nicht zahlen können. Freilich weiß dies der Lieferant nicht und ahnt nicht, daß ihm am Anlieferort der Kuchen entrissen wird, die monetäre Vergütung der Ware jedoch ausbleiben wird.

3. Ihre Lieferanten/Geldeintreiber/Schatzmeister sind Gauner
Gutes Personal ist heutzutage sehr schwer zu finden. Dies mußte ich erst vor ein paar Jahren am eigenen Leib verspüren, als ich Erntehelfer suchte, trotz der vielen Arbeitslosen aber nicht fündig wurde. Herrn Dr. Drechsler sei an dieser Stelle gedankt, daß er mir ein paar Sklaven verkaufte. Trauen kann man wohl wirklich nur noch denen, die man selbst erzogen hat.

Für diese Auflistung einen kostenfreien Kuchen erwartend,
Martin Berger
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Re: Töfte Apfelkuchen zu verkaufen

Beitragvon Rotzbengel Rüdiger » Sa 12. Aug 2017, 16:43

Werter Herr Berger,

die Zählung der Einnahmen wird von den vier Knaben, welche die vorzüglichsten Mathematikklausuren vorzuweisen haben, zur Sicherheit sechsmal durchgeführt.
Bisher zahlten alle Kunden redlich und zufriedenstellend die geforderten Beträge.
Da wir nur an nachweislich redliche Christen liefern, fällt ihr Sorge ob möglichen Hartz-4-Käufern ins Blaue.

Tatsächlich läuft der Weg des Geldes folgendermaßen ab:

1) Die Lieferanten der Kuchen liefern die Einnahmen pflichtgetreu beim Kassenwart, dem Buben Akindo ab.
2) Die Einnahmen werden gezählt und von den Mathematikerknaben auf Vollständigkeit durchgerechnet.
3) Die Einnahmen werden in meine Kammer gebracht, wo ich sie noch einmal persönlich kontrolliere, und sie letztendlich zum Versand vorbereite.
4) Die Einnahmen werden von den tüchtigen Jungen Jens und Johannes abgeholt und zum Postamt gebracht, wo sie zur redlichen Organisation „Apfelbäume für Großstädte e.V.“ versendet werden.

Sapperlot, da nehme ich mir doch gleich meine hochmoderne Detektivausrüstung, welche ich mir kürzlich kaufte, und mache mich auf die Suche nach den Übeltätern.

Durch die saphierumrandete Lupe linsend,
Rotzbengel Rüdiger

Postscriptum:
Für ihre investigative Unterstützung werden wir Ihnen einen zusätzlichen kostenlosen Kuchen zu Ihrer Bestellung hinzufügen.
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Re: Töfte Apfelkuchen zu verkaufen

Beitragvon Dr. Waldemar Drechsler » So 13. Aug 2017, 10:03

Höchstgeehrter Bursche Rüdiger!

Ich, der - wie Sie hoffentlich wissen - in so vielerlei Geschäfte auf der Erdscheibe verwickelt ist, muss Ihnen zu strengeren Kontrollen der eigenen Arbeiter sowie minimalen Veränderungen in der Hierarchie anraten, um den Apfelkuchenbetrieb im Sinne Ihres eigenen Wohles zu effektivieren. Aufgrund eines überaus angenehmen Telephonates in das ferne Japan möchten nun meine alten Freunde der Yamaguchi-gumi, der wohl grössten Firma der Insel, die einst mit der helvetischen Kreditanstalt SKA kooperierte und mir aus damaligen Zeiten als redlicher Geschäftspartner bekannt ist, dem Ihrigen Jungunternehmen sowie selbstverständlich der bisherigen Leitung des Internates zu Pirschsmitte unverzüglich mit Rat und Tat zu Seite stehen, Sackerdei. :kreuz1:

In Erinnerungen an seine Zeit in Osaka schwelgend,
Dr. Waldemar Drechsler
Der Kluge tut alles mit Überlegung, der Tor verbreitet nur Dummheit. (Sprüche 13,16)


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