Man möge mir verzeihen, dass meine ersten, vorsichtigen Schritte in diese ehrenvolle, rechtschaffene und von frommer Vernunft geprägte Gemeinde von einer These oder Frage begleitet werden, die durchaus eine Provokation für manch einen der redlichen Christen, die hier versammelt sind, darstellen könnte. Ich bitte darum - auch um der Gefahr sofortiger Verbannung zu entgehen - diese Frage eher als These (freilich mit Untermauerung durch eigene Erfahrungen) - nicht aber als endgültige Behauptung, aufzufassen. Die Frage lautet: "Warum sind Katholiken so schlechte Christen?“
Und natürlich erwarte ich mir nichts anderes, erhoffe nichts sehnlicher, als den Hinweis oder gar den Beweis dafür, dass meine These absurd und falsch ist und meine Beobachtungen und Erfahrungen aus fehlgeleiteter Anschauung herrühren und auf Missverständnissen beruhen.
Ich möchte nun - zunächst einmal - eine einzelne Erfahrung und Beobachtung anführen. Bei allseitigem Interesse erlaube ich mir später - falls der Wunsch direkt vorgetragen wird - weitere, ähnliche Schilderungen in diesem Faden.
Unsere Nachbarin - ein Weib von nunmehr 74 Jahren - ist eine fromme Katholikin
So musste ich schon zweimal (mir fiel auf ihre Frage, warum ich denn auf ihrem Parkplatz, d.h. auf einem ihrer drei Parkplätze für ihr Auto stünde - wahrlich keine Antwort mehr ein) mein Auto schleunigst wegstellen. Einmal reagierte ich nicht auf ihr Klingeln an meiner Wohnung - worauf ich durch das geöffnete Fenster Worte sagen hörte, Worte, die ich hier nicht nennen kann, ja Flüche, die sich offensichtlich auf eine Person bezogen, die nicht Willens war, umgehend einen ihrer Parkplätze zu räumen. Und diese Person konnte nur ich sein.
Nun vermute ich fast schon, dass Fehler meinerseits zu meiner oben genannten These führten, und letztlich in meiner falschen Anschauung der Umstände liegen, und hoffe sehr, dass mir die Antworten dieser Gemeinde den rechten Pfad weisen und mich aufklären, dass dieses katholische und fromme Weib die aller redlichste, christlichste Gesinnungsart besitzt.
Mit viel Freude auf Worte der Aufklärung und Erklärung hoffend,
Questor O. Nebart